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Ein Tag im Wald

Ein Tag bei den "Dreckspatzen"

Vogelzwitschern, Blätterrauschen. Ansonsten: Stille.
Nicht mehr lange. Motorengeräusche kündigen an, dass hier am Waldrand von Oberems gleich etwas passieren wird. Autos fahren auf den Parkplatz, Kinder schälen sich aus ihren Autositzen, warm angezogen und ein Rucksack (mit einem gesunden Frühstück und einer ISO-Matte) auf dem Rücken. Im Nu ist der Wald von hellen Kinderstimmen erfüllt, auch Erwachsene und Erzieherinnen tauschen kurz ein paar Worte aus.
Wenn alle Väter und Mütter wieder weggefahren sind, geht's los:
Zusammen mit Marion Graaff und Verena Behm machen sich die Kinder auf den Weg zum Waldsofa.
Je nach Wetterlage und Materialbedarf haben die Erzieherinnen ihre Rucksäcke oder den Bollerwagen dabei. Zur Grundausstattung gehören: Wasser, Lavaerde, Handtuch, Erste-Hilfe-Tasche, Handy für Notfälle, Klappspaten für große Geschäfte, die dann verbuddelt werden.
Außerdem Isomatten und Werkzeug, Bestimmungsbücher für Pflanzen und Tiere und Wechselkleidung.
Spielzeug fehlt. Denn der Wald bietet fast alles, was Kinder brauchen.
Auf dem Weg zum Waldsofa rennen einige Kinder, andere trödeln nach. Deshalb gibt es feste Haltepunkte an Kreuzungen, bei denen sich die ganze Gruppe wieder sammelt, bevor das nächste Wegstück wieder in Angriff genommen wird. An diesem Haltepunkt zum Waldsofa bildet die ganze Gruppe einen Kreis, fasst sich an die Hände und wünscht sich einen guten Morgen.
Am Waldsofa angekommen sucht sich jedes Kind seinen Platz selber aus, Marion nimmt eine Triangel in die Hand und fordert ein Kind auf, diese anzuschlagen. Das ist das Signal, die Gespräche zu beenden und die Aufmerksamkeit auf das weitere Geschehen zu richten. Sinneserfahrungen sollen geschult und ausgebaut werden: Tasten, Fühlen, Schmecken, Riechen, Sehen und Hören.
Heute ist Riechen dran: Marion hat ein Fläschchen mit Mandel-Aroma dabei. Die Kinder, die möchten, setzen eine Augenbinde auf und die Erzieherin hält den Kindern das Fläschchen reihum unter die Nase. Nun beschreiben die Kinder wie der Inhalt gerochen hat. Paula erinnert sich, dass sie den Geruch schon mal beim Kuchenbacken wahrgenommen hat.
Auf diese Weise erweitern die Kinder auch ihren Wortschatz und bemerken, dass andere Kinder evtl. ganz anders wahnehmen als sie selbst.
Anschließend wird Johanna ausgewählt das Tagesdatum festzustellen. Hierzu nimmt sie die Kindergartensäge und sägt eine Kerbe in den Monatsstock. Das macht sie ausgezeichnet, denn ihre feinmotorischen Fähigkeiten und Auge-Hand-Koordination sind nach drei Jahren Waldkindergarten schon hervorragend geschult. Sie zählt die Kerben und stellt damit das Datum fest. Danach steht sie auf und zählt alle Kinder. Auch die fehlenden Kinder werden genannt, heute fehlen Clara und Benjamin.
Jetzt wird demokratisch abgestimmt, welcher Spielort aufgesucht wird. Die Kinder entscheiden sich heute für den Holzmaschinenplatz - ein sehr beliebter Platz, da für alle etwas dabei ist: Umgekippte Bäume sind Piratenschiffe oder Brücken über die man balancieren kann. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Kinder sind ununterbrochen in Bewegung, sie suchen etwas, sie verstecken sich, sie rutschen, sie seilen sich ab, sie entdecken Steine, Pflanzen oder Tiere. Andere Kinder suchen sich ein ruhiges Plätzchen und beobachten die anderen Kinder oder lauschen dem Wind und den Vögeln.
Bevor die Freispielzeit beginnt, wird erst mal eine Frühstückspause gemacht. Die Lava-Erde und das Wasser werden hervorgeholt, denn Händewaschen vor dem Essen ist Pflicht - " weil sonst kriegt man den Fuchsbandwurm" erklärt Paul. Früher sagte er immer "sonst kriegt man den Fuchsschwanz". Die gesunden Sachen werden aus dem Rucksack geholt und alle Kinder setzen sich in eine gemütliche Runde und nehmen sich Zeit und Ruhe zum Essen.
Während der Freispielzeit beobachten die Erzieherinnen die Kinder und machen sich Notizen. Erkenntnisse, die aus den Beobachtungen gewonnen werden, fließen zurück in das Gruppengeschehen in Form von Impulsen, angeleiteten Angeboten oder in die Projektarbeiten.
Mit Naturmaterialien kann gebastelt werden. Es entstehen Blättermännchen, Kastanienketten oder die Kinder hämmern, sägen oder schnitzen. Die Kinder finden Steine, Stämme, Tannzweige und Äste um sich Behausungen zu bauen. Sie klettern auf Bäume und testen ihre Grenzen aus. Sie spielen Nachlaufen und Verstecken.
Gegen 11.30 Uhr findet dann der Abschlußkreis statt. Hier zeigen die Kinder gerne den anderen, was sie aus den Naturmaterialien gebastelt haben, es werden Spiele gespielt, wie Natur-Memory, blinde Karawane oder Fledermaus. Der Abschlusskreis endet mit einem Lied, dann werden die Rucksäcke geschultert, selbstgebastelte oder gefundene Schätze in die Hand genommen und der Rückweg angetreten. Am Parkplatz angekommen warten die Eltern auf ihre müden, aber glücklichen Kinder.